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Flächenertrag

Freifläche

Agri-PV: Landwirtschaft und Solarstrom auf derselben Fläche – lohnt sich das?

Agri-PV erklärt: Wie Doppelnutzung von Acker und Solar funktioniert, was die DIN SPEC 91434 regelt, welche Vorteile und Nachteile es gibt und für wen es passt.

von Lennart Laabs3 Min. LesezeitStand: 17. September 2026

Viele Landwirte stehen vor einem Zielkonflikt: Ein Solarpark bringt verlässliche Pacht, nimmt die Fläche aber für Jahrzehnte aus der Produktion. Agri-PV verspricht beides – Strom und Landwirtschaft auf derselben Fläche. Doch das Konzept hat seinen Preis und passt nicht für jeden Betrieb.

Was ist Agri-PV?

Agri-Photovoltaik bezeichnet Solaranlagen, bei denen die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund bleibt. Die Fläche wird doppelt genutzt: oben oder zwischen den Modulen entsteht Strom, darunter oder daneben wird weiter gewirtschaftet. Grundsätzlich gibt es zwei Bauweisen:

  • Hoch aufgeständert: Die Module stehen auf einer Unterkonstruktion mehrere Meter über dem Boden. Darunter wachsen Kulturen wie Beeren, Obst oder Gemüse, die teils sogar vom Schutz vor Hagel und starker Sonne profitieren.
  • Vertikal oder bodennah: Die Module stehen in Reihen senkrecht oder flach geneigt, dazwischen bleiben breite Streifen, die mit Maschinen bewirtschaftet oder beweidet werden können.

Die DIN SPEC 91434

Damit nicht jeder Solarpark mit ein paar Schafen als Agri-PV gilt, gibt es die DIN SPEC 91434. Sie legt Anforderungen fest, die eine Anlage erfüllen muss: Die landwirtschaftliche Nutzung muss tatsächlich möglich sein und stattfinden, der Flächenverlust durch die Konstruktion ist begrenzt, und es braucht ein Bewirtschaftungskonzept.

Die Norm ist in der Praxis wichtig, weil Förderung und Planungsrecht häufig an sie anknüpfen. So kann eine Agri-PV-Fläche nach der DIN SPEC 91434 für die GAP-Direktzahlungen beihilfefähig bleiben – mit einem Abzug für den Teil der Fläche, der nicht mehr bewirtschaftet werden kann.

Planungsrecht und Förderung

Kleine Agri-PV-Anlagen können unter bestimmten Voraussetzungen ohne Bebauungsplan errichtet werden. Das betrifft Anlagen mit einer Grundfläche von bis zu 2,5 Hektar, die in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb stehen. Größere Anlagen brauchen in der Regel wie klassische Solarparks einen Bebauungsplan der Gemeinde.

Auch im EEG wird Agri-PV besonders berücksichtigt. Für sogenannte besondere Solaranlagen gelten eigene Regelungen in den Ausschreibungen, und wegen der höheren Baukosten ist eine höhere Förderung vorgesehen. Die Details ändern sich mit jeder EEG-Novelle – für Ihr Projekt ist ohnehin der Entwickler zuständig.

Die Anforderungen an Agri-PV in Planungsrecht, EEG und Agrarförderung sind nicht in allen Punkten deckungsgleich und werden regelmäßig angepasst. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Förderberatung.

Vorteile und Nachteile

Agri-PV klingt nach der idealen Lösung. Für Eigentümer und Bewirtschafter lohnt trotzdem ein nüchterner Blick auf beide Seiten – denn eine Anlage, die nicht zum Betrieb passt, wird über 25 bis 30 Jahre zur Belastung statt zur Entlastung.

  • Pro: Die Fläche bleibt in der landwirtschaftlichen Nutzung, ein Teil der Agrarförderung kann erhalten bleiben.
  • Pro: Zusätzliche, planbare Einnahmen aus der Pacht.
  • Pro: Bei manchen Kulturen Schutz vor Hagel, Starkregen oder Sonnenbrand.
  • Pro: Oft höhere Akzeptanz in Gemeinde und Nachbarschaft.
  • Contra: Die Pacht ist meist niedriger als bei einem klassischen Solarpark, weil die Anlage teurer ist und weniger Leistung pro Hektar bringt.
  • Contra: Maschinen, Arbeitsabläufe und Fruchtfolge müssen sich an die Anlage anpassen.
  • Contra: Die Bewirtschaftung muss über die gesamte Laufzeit tatsächlich erfolgen – das bindet auch Sie oder Ihren Pächter.

Für wen passt Agri-PV?

Agri-PV ist vor allem für Betriebe interessant, die ihre Fläche weiter selbst bewirtschaften wollen. Besonders gut passt es zu Sonderkulturen wie Obst und Beeren, zu Grünland mit Beweidung oder zu Betrieben, die neben der Pacht ein zweites Standbein suchen, ohne Fläche abzugeben. Auch in Gemeinden, die klassischen Solarparks skeptisch gegenüberstehen, kann Agri-PV ein Kompromiss sein.

Wer dagegen die Fläche ohnehin nicht mehr selbst bewirtschaften möchte und die höchstmögliche Pacht sucht, ist mit einer klassischen Freiflächenanlage meist besser beraten.

Klassischer Solarpark oder Agri-PV?

Die Entscheidung hängt von Ihrer Fläche, Ihrem Betrieb und Ihren Plänen für die nächsten Jahrzehnte ab. Wir prüfen kostenlos, welche Variante für Ihre Fläche realistisch ist, und holen auf Wunsch Angebote für beide Wege ein – damit Sie Pacht und Bewirtschaftung ehrlich gegeneinander abwägen können.

Lennart Laabs

Geschrieben von

Lennart Laabs

Leiter Projektentwicklung bei Flächenertrag

Planungsrecht, Netzanschluss und Entwicklung bis zur Baureife.

Fachlich geprüft von Lukas Müller (Leiter Akquise) · Stand 17. September 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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